Die Ursache für die „leaky pipeline“ bzw. „Geschlechterschere“ in der Medizin, wie dieses Phänomen genannt wird, sind u.a.:
- Der sog. „Similar-to-me-Effekt“, durch den Entscheider*innen vor allem solche Personen nachziehen bzw. befördern, die sie als ähnlich wahrnehmen. Bei einem Männeranteil von ca. 80 Prozent bis 85 Prozent unter den Chefärzt*innen sind das vorrangig Männer.
- Ärztinnen fehlen vielfach die gleichgeschlechtlichen Vorbilder.
- Für den beruflichen Erfolg sind nicht allein fachliche Qualifikationen ausschlaggebend, sondern auch Führungsqualifikationen sowie fördernde und unterstützende Beziehungen. Frauen verfügen bisher seltener als Männer über solche Förderbeziehungen.
- Ärztinnen erleben die bekannte Doppelbelastung von Beruf und Care-Verantwortung, die zu einer Zurückhaltung bei den Karriereambitionen führt.
- Es findet nach wie vor eine Reproduktion sozialer Ungleichheiten statt durch unbewusste Vorurteile (Unconscious Biases) wie z.B. die Unterstellung mangelnder Leistungsbereitschaft und Kompetenz aufgrund von Teilzeitarbeit oder mangelndem Führungswillen wegen ihres partizipativeren und weniger hierarchischen Auftretens.
Lösungsansätze:
Chefärztinnen und Chefärzte werden in der Regel nicht aus dem eigenen Haus besetzt, sondern von extern. Deswegen ist es zentral, dass Aktionen mit dem Ziel der Erhöhung des Anteils der Ärztinnen in chefärztlichen Positionen in kommunalen Krankenhäusern und Kliniken auf Bundesebene stattfinden.
Die AKG-Kliniken als bundesweit aufgestellte Organisation ist daher ideal geeignet, mit Unterstützung von Akteur*innen für Chancengleichheit und Gleichstellungsbeauftragten der kommunalen Krankenhäuser, gemeinsame Maßnahmen umzusetzen.
Weitere Planung:
2025 fand das erste bundesweite Treffen von Ärztinnen statt, die kurz-, mittel- und langfristig Chefärztin werden wollen - für den 19.11.2026 ist die Fortsetzung mit einem zweiten Treffen in Berlin in Vorbereitung. Die Organisation liegt bei der AKG-Geschäftsstelle mit Unterstützung von Gleichstellungsbeauftragten aus kommunalen Krankenhäusern und Akteur*innen für Chancengleichheit in Kooperation mit dem Netzwerk Gender und Gleichstellung in kommunalen Krankenhäusern (Netzwerk GGKK).
Zielgruppen der Tagung: alle Ärztinnen, die kurz-, mittel- und langfristig Chefärztin werden wollen, Gleichstellungsakteurinnen aus kommunalen Krankenhäusern, Klinikleitungen und Chefärztinnen
Mittel- und langfristig: Ausbau und Verstetigung des Aktionsbündnisses und bundesweite Vernetzung, u.a. in Form von regelmäßigen Treffen der interessierten Ärztinnen