Bildung telemedizinischer Netzwerke
- Funktionale Anforderungen
- Daten- und IT- Infrastruktur
- Teilnahme
Hintergrund & Ziele
Relevante Daten liegen in den Krankenhäusern meist verteilt in heterogenen Systemlandschaften vor (KIS, PDMS, PACS etc.). Für telemedizinische Konsile fehlen häufig integrierte Plattformen mit konsolidierten Daten und standardisierten Workflows. Zur besseren Versorgung und Kooperation zwischen Kliniken sollen im Rahmen des Transformationsfonds telemedizinische Netzwerke aufgebaut werden.
Folgende Ziele werden von den AKG-Kliniken verfolgt:
Aufbau einer gemeinsamen technischen Basis
- Zentrale, mandantenfähige Plattformarchitektur für >20 Kliniken
- Skalierbare Lösung mit offener Schnittstellenstruktur
- Datenschutzkonformer Austausch, Dokumentation, Monitoring und Reporting
Verbesserung der klinischen Zusammenarbeit
- Förderung interdisziplinärer und standortübergreifender Zusammenarbeit
- Nutzung strukturierter Video- und Fallkonferenzen (inkl. Konsile und Tumorboards)
- 24/7-Zugang zu externer Fachexpertise
Optimierung der Patientenversorgung
- Mitbetreuung von Patienten via Video- und Fallkonferenzen
- Verbesserung der Reaktions- und Entscheidungszeiten in kritischen Situationen
- Bessere, klinikübergreifende Fallsteuerung (z. B. zielgerichtete Aufnahmen durch Maximalversorger)
- Nutzung KI-gestützter Frühwarn- und Entscheidungshilfen
Effizienter Ressourceneinsatz und Entlastung
- Entlastung medizinischen Fachpersonals
- Optimierung des Ressourceneinsatzes inkl. Ausfallabsicherung und Ressourcenteilung
Funktionale Anforderungen
- Austausch und Empfang von Konsilen in Form strukturierter Fallakten, Videokonsilen sowie Abbildung von Fallkonferenzen (z.B. Tumorboards - videobasiert oder hybrid)
- Nutzung telemedizinischer Leistungen sowohl im Notfall als auch elektiv und Sicherstellung strukturierter Rückmeldungen aus dem Netzwerk
- Telemedizinische Mitbetreuung von Patienten in kooperierenden Krankenhäusern des Netzwerkes
- Teleintensivmedizinische Vernetzung inkl. konsiliarischer Beratung (interne Standortversorgung und regionale Versorgung) sowie für weitere Anwendungsfälle (s. Use Cases)
- Aufbau virtueller Stationen mit Command-Center-Funktionalitäten inkl. Dashboard-Funktionalitäten
- KI-Funktionalitäten zur Entscheidungsunterstützung
- Lösungsansätze hinsichtlich weiterer Funktionalitäten wie z.B. die poststationäre Betreuung von Patienten im häuslichen Umfeld, Telenotarzt-Funktion etc.
- Entscheidungsunterstützung bei Patientenverlegungen
Use Cases
- Intensivmedizinische Versorgung von Erwachsenen und Kindern
- Telekinderrheumatologie
- Telepathologie
- Schlaganfallversorgung
- Versorgung von Weaning-Patienten
- Chirurgische Versorgung
- Gynäkologische Versorgung
- Neonatalogie
Ausblick
Prioritär wollen die einzelnen AKG-Klinken mit den umliegenden Kliniken ihrer Region zunächst regionale Netzwerke bilden. Perspektivisch soll aber auch eine überregionale Vernetzung zwischen allen AKG-Kliniken stattfinden, um den überregionalen Austausch, Benchmarking und Wissenstransfer zu ermöglichen. Hierfür sollten Lösungsansätze seitens des Systemanbieters vorhanden sein.
Beschreibung
- Die telemedizinische Plattform muss in eine heterogene Krankenhaus-IT-Landschaft integrierbar sein und standardisierte Schnittstellen (z. B. HL7, FHIR, IHE, DICOM) vollständig unterstützen.
- Es ist eine hochverfügbare, skalierbare Infrastruktur bereitzustellen, die den kontinuierlichen Betrieb (24/7) für mehrere Einrichtungen gleichzeitig gewährleistet.
- Die Lösung muss sowohl den Einsatz als SaaS als auch On-Premise unterstützen, um unterschiedlichen Betriebsmodellen innerhalb der AKG-Häuser gerecht zu werden.
- Die Lösung erfüllt die hohen Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit gemäß DSGVO und BSI-Grundschutz
- Alle Datenströme (Patientendaten, Monitoringdaten, Bilddaten, Konsilunterlagen) müssen Ende-zu-Ende verschlüsselt übertragen und in sicheren Rechenzentren gespeichert werden, welche ISO 27001-zertifiziert sind und ein C5-Testat aufweisen.
- Die Plattform muss mandantenfähig ausgelegt sein, sodass Kliniken getrennte Datenbereiche, Rollen- und Rechtekonzepte sowie individuelle Konfigurationen betreiben können, ohne die Gesamtsicherheit zu beeinträchtigen.
- Die Lösung muss eine performante Verarbeitung großer Datenmengen ermöglichen (insbesondere DICOM-Bilddaten, Echtzeitmonitoring, Laborwerte, Vitalparameter).
- Systemzugriffe externer Partner (z. B. Konsilempfänger, Rettungsdienst, überregionale Partner) müssen über sichere, auditierbare Zugangsverfahren erfolgen.
- Für alle beteiligten Systeme müssen Logging, Monitoring, Fehlertoleranz und automatisierte Backup-/Recovery-Mechanismen implementiert sein.
- Eine Test- und Schulungsumgebung muss bereitgestellt werden, um Updates, Schnittstellen und neue Funktionen risikofrei evaluieren zu können.
- Die Lösung muss mit vorhandenen Netzwerk- und Sicherheitskonzepten der Kliniken kompatibel sein (z. B. Citrix-Nutzung, Firewalls, VPN-Strukturen).
Das System muss eine offene Schnittstellenstruktur aufweisen und exemplarisch folgende IT-Systeme und -Produkte anbinden können:
- KIS (z.B. i.s.h med, CGM Medico, iMedOne, Nexus KIS)
- PDMS (z.B. Copra, LowTeq, iMDsoft, Philips)
- Kommunikationsserver (z.B. DMI Cloverleaf, NextGen Healthcare, Soffico Orchestra, Intersystems, Citrix
- PACS-System (z.B. Siemens, CGM Visus, Philips, GE, Sectra VNA / IDS7, Dedalus Deep Unity)
- Weitere relevante IT-Systeme (z.B. LIS, Notaufnahme-Systeme, Pathologie; s. auch Use Cases)
Weiterhin sollte die Einbindung von Geräten wie Patientenmonitoring für Echtzeitdatenanzeigen möglich sein (siehe z.B. Use Case Teleintensivmedizin).
Zudem sollten bestehende telemedizinische Lösungen der Kliniken im Bedarfsfall anbindbar oder integrierbar sein (z.B. Patientenportale wie POLAVIS, m.doc, Samedis, Doctolib sowie sonstige Videosprechstundenlösungen).
Friederike Grassmann
Vom Interessenten beizufügende Unterlagen
- Unternehmensvorstellung
- Lösungsbeschreibung
- Interoperabilitäts- und Schnittstellenbeschreibungen
- Implementierungs- und Rolloutkonzept
- Referenzprojekte
- Kostenübersicht (einmalige und laufende Kosten)
